sammlung_neu

Varvara Stepanowa und Liubov Popova, Kostüme, Entwürfe 1922-23;
Olga Chernysheva, Trashman, 2010, video

Geschichte

Erste Entdeckungen in der zeitgenössischen Kunst machten Erika und Rolf Hoffmann in den 1960er Jahren auf den frühen Documentas in Kassel sowie in den Museen, Kunsthallen und Kunstvereinen im Rheinland. Diskussionen mit Künstlern über deren Konzepte und die Werke, die diese verkörperten, wurden zu intellektueller Herausforderung im privaten, aber auch zu kreativer Inspiration im professionellen Bereich.

Um trotz Familie und Führung des eigenen Unternehmens den direkten Zugang zu den Ideen und Diskursen der Kunstszene beizubehalten, entschlossen sie sich in den späten 1960er Jahren zu ersten Ankäufen, meist Werken befreundeter Künstler, damals beabsichtigten Erika und Rolf Hoffmann in keiner Weise, eine Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen. Die Vielfalt der künstlerischen Äußerungen begeisterte sie als ein in ihren Augen wesentliches Charakteristikum der zeitgenössischen Kunst. Sie suchten nach Innovationen, ganz gleich in welchem Medium. Wo immer ihre Reisen sie hinführten, bot die Gegenwartskunst die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den aktuellen Fragestellungen der Gesellschaft.

Nach dem Verkauf des Unternehmens 1985 nahm sich das Paar mehr Zeit und finanzielle Freiheit für ihre Passion. Nach wie vor betrachteten die Hoffmanns ihre Sammelleidenschaft jedoch als rein private, die nur dem persönlichen Geschmack und Interesse folgte und entsprechend anonym blieb.

Das änderte sich mit dem Fall der Mauer, da Erika und Rolf Hoffmann an den gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen nach der Wiedervereinigung aktiv teilnehmen wollten. Sie entwickelten die Idee einer Kunsthalle für Dresden in öffentlich-privater Partnerschaft. Einen kühnen architektonischen Entwurf dafür lieferte der amerikanische Künstler Frank Stella. Die Hoffmanns - als Initiatoren des Projektes, das sich langfristig selbst finanzieren sollte – wollten potente Investoren als Zustifter und weitere Sammler als Leihgeber gewinnen. Als ihr Vorhaben an öffentlichem Widerstand scheiterte, begannen sie, über ein völlig privates und damit unabhängiges Projekt nachzudenken.

Dieses sollte Ihnen nicht nur erlauben, selbst inmitten von Kunstwerken zu leben und arbeiten, sondern die eigenen Erfahrungen zeitweise mit anderen zu teilen. 1994 fanden sie ein leer stehendes Fabrikgebäude in Berlin-Mitte, renovierten und wandelten es so um, dass sie selbst und auch ihre Mieter 1997 in großzügige Lofts einziehen konnten. Seitdem sind die Hoffmannschen Wohn- und Arbeitsräume jeden Samstag der Öffentlichkeit zugänglich.

Seit dem Tod Rolf Hoffmanns 2001 führt Erika Hoffmann das gemeinsame Werk alleine fort.